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Warum das Eigenheim NICHT die beste Altersvorsorge ist

Eigenheim
 

Die eigenen vier Wände

"Das Eigenheim ist die beste Altersvorsorge" oder "jeder sollte ein Eigenheim haben, da man sein Leben lang die Miete spart". Schon mal gehört? Man sieht das auf jeder Banken-Homepage, in Zeitschriften, Werbeanzeigen und Makler-Büros. Für viele Deutsche ist die selbst bewohnte Immobilie das große Ziel und gehört zum "guten Ton" und zum angestrebten Standard.

Aber ganz so eindeutig und einfach, wie man zunächst glauben mag, ist es nicht.

Im Gegenteil: Unter Immobilien-Investoren ist man sich einig, dass das Eigenheim reiner Luxus ist, aber keineswegs die beste Lösung aus finanzieller Sicht.

In diesem Artikel haben wir für Dich die Argumente für, aber auch gegen das Eigenheim gesammelt.

 

Was FÜR das Eigenheim spricht

Automatische Spardisziplin
Wenn du einen Kredit über mehrere Jahrzehnte bei der Bank abschließt, musst du jeden Monat deine Rate zurück zahlen. MUSST, genau.

Und genau das ist ein Vorteil: der Kredit diszipliniert Dich, wirklich monatlich "zu sparen". Den Tilgungsteil Deiner Bankrate kannst Du nämlich mit Sparen gleichsetzen, nur dass Du die Immobilie bereits bewohnst und nicht erst am Ende des Sparens bekommst.

Wenn du einfach auf einem Konto oder in Dein Sparschwein sparst, kommt schon mal ein Urlaub oder die neue Waschmaschine dazwischen, so dass fürs Sparen in dem Monat nichts mehr bleibt.

Der Kredit zwingt Dich also im positiven Sinne zum Sparen, bevor Du alles Andere bezahlst.

Unabhängig vom Vermieter
Ein zweiter Vorteil ist Deine Unabhängigkeit. Kein Vermieter, keine Mieterhöhung, kein Generve.

Du entscheidest selbst, ob Du eine Wand durchbrichst, eine schönere Tür einbaust oder ein hübsches neues Parkett legst. Und Dich kann niemand aus Deinem eigenen Heim werfen wegen Eigenbedarf, weil es eben Deins ist.

Keine Miete mehr, auch im Alter
Ein weiteres besonders häufig genanntes Argument. Wenn du Deine Rente antrittst und Deinen Kredit abbezahlt hast, sparst Du Dir die Miete und hast einen großen Kostenblock weniger. Besonders bei den recht übersichtlichen Rentenhöhen ein wichtiger Unterschied.

Außerdem zahlst Du durch das Eigenheim keinem Anderen die Miete, sondern den Kredit nur für Dich selbst ab.

Freiheit und Luxus
Hier geht es um die emotionale Komponente. Ein Eigenheim ist Luxus! Es steht für Freiheit, Entfaltung, Individualität, Unabhängigkeit. Man kann tun und lassen, was man will. Man gönnt sich eben etwas. Die Investition lohnt sich, weil sie für Dich selbst ist. Und so trägt all die harte Arbeit auch sichtbar Früchte.

Außerdem gibt sie das Gefühl, etwas nachhaltiges an Wert geschaffen zu haben. Man kann den Kindern etwas bieten und später sogar vererben. Dieser Punkt wäre für mich zum Beispiel besonders wichtig - "wäre", da ich selbst zur Miete wohne! Das ist übrigens nicht unüblich für Investoren und steht nicht im Widerspruch zum gleichzeitigen Vermieten.

Geldanlage
Die Immobilie kann eine gute Geldanlage sein. Wenn man sie irgendwann wieder verkaufen möchte, kann der Wert deutlich gestiegen sein und man hat gut Geld verdient. Hierbei handelt es sich allerdings um Spekulation, denn keiner weiß, wann in 10, 20 oder 30 Jahren sein wird.

Außerdem kommt es dafür sehr stark auf die Lage an. Ein Haus auf dem Land kann z.B. auch kaum noch etwas Wert sein, da alle nur noch in die großen Städte wollen. Und in der Regel wird das Eigenheim auch nicht angeschafft, um es irgendwann gewinnbringend wieder zu verkaufen.

 

Was GEGEN das Eigenheim spricht

Klumpen-Risiko

Wenn Du all Dein Eigenkapital und hohe Bankraten in eine einzige Immobilie steckst, hast Du ein hohes Klumpenrisiko: Alles an Potenzial, aber auch alles an Risiko in einer einzigen Immobilie.

Wenn es gut läuft, macht das erstmal nichts. Aber wenn es schlecht läuft, Du zum Beispiel verkaufen willst oder musst, und die eine Immobilien sich schlecht entwickelt und an Wert verloren hat, hast Du ein riesen Klotz am Bein. Und bekommst vielleicht nicht mehr das Geld, was Du noch der Bank schuldest. Du bist dann Sklave der Bank, die ihr Geld sehen will.

Das Problem kannst Du nicht durch andere Immobilien ausgleichen. Als Investor diversifizierst Du Dich, hast mehrere Immobilien, und eben nicht alle an genau dem selben Fleck.

Zu viel Platz
Das Problem werden viele Eigenheimbesitzer kennen: Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind, hast Du plötzlich viel ungenutzten Platz, den Du nicht mehr brauchst. Die Instandhaltungs- und Nebenkosten dafür hast Du trotzdem und immer weiter. Das Haus mal eben verkaufen und aufgeben möchten viele nicht, so dass sie stetig für mehr zahlen, als sie eigentlich brauchen.
Keine Flexibilität

Für den neuen Job in eine andere Stadt? Lust auf eine andere Gegend? Ins Ausland auswandern? Diese Flexibilität nimmst Du Dir mit einem Eigenheim. Wenn Du sicher weißt, dass Du immer den gleichen Job haben wirst und nie in eine andere Stadt ziehen willst, ist das in Ordnung.

Aber heutzutage gibt es viele Gründe und Wünsche, die dem entgegenstehen. Und ein Haus zu verkaufen, und dann noch zum gewünschten Preis, ist nicht mal eben gemacht und kann sich schonmal über ein Jahr und sogar deutlich länger hinziehen.

Gewöhnung
Es ist erstaunlich, wie schnell man sich immer wieder an neue Dinge gewöhnt. Hat man sie einige Zeit, nimmt man sie als gegeben hin und die anfängliche Euphorie ist verflogen. So ist es auch beim Eigenheim: nach ein paar Monaten ist es nichts Besonderes mehr. Die Kosten, die Verbindlichkeit der Bank gegenüber und alle Verpflichtungen wie Instandhaltung bleiben ein Leben lang.
Fahrtwege zur Arbeit
Häufig greift man zu einem Eigenheim, das weiter außerhalb liegt, da die Preise in den Städten teilweise unbezahlbar sind. Dadurch entstehen längere Fahrtwege zur Arbeit, Du stehst täglich in Staus, hast höheren Benzinverbrauch und verbringst viel mehr Lebenszeit im Auto, statt mit Deiner Familie. Die Freude verfliegt, die Fahrtwege bleiben.
Scheidung
Sollte es mal zu einer Scheidung kommen, kann diese sehr schnell sehr teuer werden. Nicht selten landen dann diese gemeinsamen Eigenheime in einer Zwangsversteigerung!
Sklave Deiner Bank

Häufig fallen die Raten an die Banken besonders hoch aus, da man sich mehr Haus kauft, als man sich eigentlich leisten kann. Dadurch schränkst Du Deine Liquidität stark ein und hast viel weniger Freiräume im Leben. Nicht mal eben ein Wochenendtrip, sondern jeden Euro hüten.

Dir geht also ein Stück Freiheit verloren. Freies Cash für beispielsweise Immobilien-Investments gehen Dir verloren. Du bist also dadurch perfekt im klassischen Hamsterrad angekommen.

Kauf-Nebenkosten
Die Kaufnebenkosten von 10% und mehr (je nach Bundesland), die zusätzlich zum eigentlichen Preis eines Eigenheims anfallen für z.B. Notar und Grunderwerbssteuer, sind auf jeden Fall weg und haben keinen Gegenwert in der Immobilie. Diese Kosten muss die Immobilie an Wert erstmal wieder aufholen, bevor es einen Gewinn bei Wiederverkauf (einzige Gewinn-Möglichkeit bei einem Eigenheim) geben kann.
Laufende Kosten
Du hast laufende Kosten für alle Renovierungen, die anstehen. Das können z.B. Kosten für ein neues Dach, neue Leitungen, eine Dämmung oder neue Heizung sein, die es früher oder später bei jeder Immobilien gibt. Und das ganz ohne Steuervorteile. Bei einer Vermietung dagegen sind solche Dinge steuerlich absetzbar und der Mieter zahlt es Dir durch seine monatliche Miete.
Totes Kapital
Das Eigenkapital, was bei einer selbst genutzten Immobilie grundsätzlich möglichst hoch sein sollte, ist "totes Kapital". Es ist einfach weg und kann Dir aus Investment-Sicht keinen Cashflow und keine Rendite einbringen. Im Gegenteil: Du setzt es für etwas ein, das Dich monatlich Geld kostet. Du bezahlst also viel Geld für eine Verbindlichkeit, genau wie bei einem Auto.
 

Die Vor- und Nachteile im Überblick

 

Vorteile Eigenheim


  • Automatische Spardisziplin
  • Unabhängigkeit vom Vermieter
  • Keine Miete mehr, auch im Alter
  • Luxus & freie Entscheidungen
  • Mögliche Wertsteigerung

Nachteile Eigenheim


  • Klumpenrisiko
  • Zu viel Platz
  • Keine Flexibilität
  • Gewöhnung
  • Fahrtwege & Lebenszeit
  • Scheidung
  • Sklave der Bank
  • Kaufnebenkosten sind weg
  • Laufende Kosten
  • Totes Kapital
 

Was heißt das nun für Dich?

Tja, nun ist die Liste meiner gesammelten Nachteile direkt doppelt so lang geworden wie die Vorteile.

Rein rational und finanziell betrachtet ist ein Eigenheim im Durchschnitt nicht die beste Lösung! Wenn man die emotionale Komponente hoch gewichtet, dann ist es gut. Wenn Du verstanden hast, dass das Eigenheim eine Verbindlichkeit und nicht etwa ein Vermögenswert ist, dann weißt du schon mehr als ein sehr großer Teil der Eigenheim-Käufer! Hauptgründe für einen Kauf sollten also Luxus und ein gutes Gefühl sein.

 

Sicher ist: Man sollte mindestens 10 Jahre im Eigenheim wohnen, damit sich die hohen Kaufnebenkosten für Makler, Notar, Steuern, Grundbuch etc. von rund 10% und mehr (ja nach Bundesland, in NRW rund 12-14%) ansatzweise lohnen.

Diese müssen nämlich erst einmal durch eine Wertsteigerung der Immobilie wieder „reingeholt“ werden.

 

Es gibt finanziell gesehen eine Konstellation, wann das Eigenheim sinnvoll sein kann: und zwar, wenn Dein Kapitaldienst (also Tilgung und Zinsen an die Bank) UND Deine Kosten als Eigentümer und Bewohner (Instandhaltung, Renovierung und Grundsteuer) genauso hoch sind wie die KALTmiete Deiner jetzigen Wohnung.

In der Regel wird das aber nur der Fall sein, wenn du besonders viel Eigenkapital einbringst oder eine kleinere Wohnung wählst als du jetzt schon hast. Daher: die bessere Altersvorsorge ist die Vermietung von Immobilien. Eigenheim ist für den Luxus und Dein gutes Gefühl!

 

Was sagen die Experten dazu?

 

Schau Dir Dirk Müller (Mr. Dax) und Peter Zwegat bei Markus Lanz an. Eine sehr interessante Diskussion zum Thema.

 

Hier ein Ausschnitt aus "5 Ideen", die einen Gedanken aus dem Buch "Investment Punk" vom Querdenker Gerald Hörhan zusammenfassen. Passt perfekt zu unserem Thema!

 

Schreib uns Deine Meinung dazu. Wohnst Du zur Miete oder im Eigenheim?

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18 Comments

  1. Cooler Artikel, der schön die Vor- und Nachteile des Eigenheims auflistet.
    Ich finde es wichtig, dass mit dem „common belief“ aufgeräumt wird, dass das Eigenheim die beste Investition überhaupt ist. Um einen konträren Gedanken einzubringen habe ich jüngst folgenden Artikel geschrieben, der das Eigenheim und andere Anschaffungen als Verbindlichkeiten betrachtet – das passt hier gut zum Thema: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/09/22/ihr-buchhalter-hat-unrecht-ihr-hausihre-eigentumswohnung-und-ihr-auto-sind-verbindlichkeiten/
    Werde jetzt Eurem Blog folgen und freue mich auf spannende Beiträge!
    Viele Grüße,
    FF

  2. Julian Julian sagt:

    Hallo FF,

    Danke für Deinen Kommentar. Das passt tatsächlich gut zum Thema! Auch sonst sehe ich einige gute Schnittstellen zwischen unseren Blogs.

    Ich merke immer wieder, dass die Meinungen beim Eigenheim weit auseinander gehen. Da sind meist viele tiefsitzende Glaubenssätze und Emotionen im Spiel, wenn man mit Eigennutzern spricht. Manchmal versuche ich auch, gar nicht auf das Thema zu kommen, um nicht unnötig diskutieren zu müssen.

    Gegen das Eigenheim an sich spricht ja auch gar nichts – man sollte sich einfach nur bewusst sein, dass es Luxus (da Verbindlichkeit) ist!

    Gruß
    Julian

  3. Capri sagt:

    Hallo Julian,

    Bei mir ist das Thema Eigentumswohnung sehr aktuell.

    Bzgl. Eigentumswohnung finde ich, hätte ich doch den entscheidenen Vorteil, dass ich die Chance habe meine „Miete“ zu drücken. Selbst wenn ich laufende Kosten on top rechne, habe ich doch bei Verkauf die Chance einen Gegenwert zu erhalten. Sofern ich mich im Rahmen meiner derzeitigen Warmmiete halte, die perse WEG ist. Also Warmmiete = Tilgung/Zinsen/Hausgeld/Rücklagen.

    Das heisst, ich zahle, um es einfach zu halten, 100.000 € inkl. Kaufkosten (Notar, etc.) . Es fallen in den 10 Jahren noch 30 000 Euro sonstige Kosten an. Die Gesamtsumme liegt aber noch innerhalb meiner aktuelle Warmmiete. So habe ich doch trotzdem die Chance von den 130 000 € (mit jedem Euro den ich beim Verkauf erziele) meine theoretische Miete der letzten 10 Jahre zu drücken. Also statt 1083 € (auf 120 Monate) sind es dann vllt. nur noch 300 Euro pro Monat bisher gewesen, wenn ich die Wohnung für 94 000 € verkauft bekäme.

    Der Supergau wäre nur dann, wenn die Gesamtkosten meine aktuelle Warmmiete überträfe, aber wie wahrscheinlich wäre das, wenn die Rücklagen mit eingerechnet sind, im Vergleich zu der Chance auf abbezahltes Eigentum?

    Also ist doch in jedem Fall eine Eigentumswohnung statt Miete die bessere Wahl?!

    Natürlich ist Sie nicht dafür geeignet Kapital aufzubauen. Aber grundsätzlich schon mal super meine Verbindlichkeiten zu senken.

    Oder übersehe ich etwas?

    Grüße,

    Capri

  4. Julian Julian sagt:

    Hallo Capri,

    ja, das ist richtig.

    Selbst bewohntes Eigentum rechnet sich gegenüber der Miete finanziell dann, wenn Deine bisherige Warmmiete gleich Zins, Tilgung plus ALLE Kosten als Eigentümer ist. Diese Kosten müssen auch die Rücklagen und laufenden Reparaturkosten enthalten – wie Du schon schreibst.

    Wichtig dabei ist auch, dass sich dieses Eigentum auch an andere vermieten lässt, wenn sich Deine Pläne mal ändern (Job in anderer Stadt, mit Partner zusammen ziehen etc.). Und zwar zu einer Miete, die Deine Kosten weiterhin deckt – oder bestenfalls noch übersteigt. Dazu gehört auch, dass es sich um eine Lage handelt, die auch durch andere genug nachgefragt wird – und dann auch langfristig. Also nicht auf dem Land, sondern mindestens im Speckgürtel einer größeren Stadt.

    Die meisten Selbstbewohner rechnen nämlich nicht wie Investoren, so dass der Kaufpreis so hoch ist, dass sich das Objekt niemals selbst tragen würde. Wenn aber auch das erfüllt ist, lohnt sich das Eigentum gegenüber der Miete!

    Viele Grüße
    Julian

  5. Stefan (Immobilienanleger) sagt:

    Der Artikel enttäuscht mich doch etwas. Von einem Blog, der sich dem Immobilieninvestment verschreibt, hätte ich erwartet, dass er die Zusammenhänge richtig erklärt und nicht die selben falschen Schlüsse zieht, wie sie auch auf fast allen Finazblogs gezogen werden.

    Was du im Grunde sagen willst ist doch, dass ein großes Einfamilienhaus auf dem Lande oft keine gute Anlage ist. Das ist sie aber auch nicht, wenn du diese Immobilie als Investment kaufst, um sie zu vermieten. Wenn du etwas gegen Immobilien auf dem Lande schreiben willst, dann mach das doch auch und vermische dies nicht mit Mieten contra Kaufen.

    Stelle dir bitte mal folgende Situation vor:

    Du wohnst in einer Mietwohnung. In dem Haus sind zufällig deine und eine genau baugleiche Wohnung zu verkaufen. Die Wohnungen passen genau in dein Immobilienprofil und du willst auf jedenfall eine der beide Wohnungen kaufen. Willst du mir jetzt ernsthaft sagen, dass du jetzt nicht deine eigene sondern die andere Wohnung kaufst?

    Als Denkanregung ein paar Hinweise:

    – Mieteinnahmen werden mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, deine Miete bezahlst du jedoch von deinem Nettogehalt. Egal wie viel du als Vermieter absetzen kannst, solange du mit dem Vermieten Gewinn erwirtschaftest, ist der Eigennutz wirtschaftlicher.

    – Als Mieter+Vermieter schläst du dich mit deinem Vermieter und deinem Mieter rum, als Eigentümer mit keinem von beien.

    – Mit Handwerkern musst du dich in beiden Fällen rumschlagen, dieses gerne genommene Argument fürs Mieten gilt in diesem Fall wohl eher nicht.

    – Als Eigentümer hast du kein Leerstandsrisiko, auch das Risiko von Mietnomaden, Zahlungsausfälle oder Rechtsstreitigkeiten, Ärger wegen Mieterhöhungen etc. fällt alles weg.

    Jetzt erkläre mir doch bitte, warum es besser ist zu mieten und gleichzeitig zu vermieten, als im Eigentum zu wohnen. Am besten mit einer belastbaren Beispielrechnung mit einem Objekt, welche auch als Renditeobjekt taugt und nicht irgentwelche Beispiele von Häusern auf dem Lande, welche ein vernünftiger Immobilenanleger niemals als Renditeobjekt kaufen würde.

    Der etwas böse Tonfall in dem Kommentar tut mir leid, ich habe mich nur geärgert, auf einem Immobilienblog die selben falschen gezogenen Schlüsse zu lesen, wie auf 95% der üblichen Finanzblogs.

    Nicht die eigennutze Immobile ist das Problem, sondern die falsche Auswahl der Immobilie an sich! Hier spielen die falschen Auswahlkriterien eine Rolle, jedoch nicht die grundsätzliche Frage mieten oder kaufen.

  6. Julian Julian sagt:

    Hallo Stefan,

    Die Kernaussage des Artikels ist: Wer ein Eigenheim kauft, sollte dies nicht aus rein finanziellen Gründen tun, sondern Wohlfühlen sollte im Vordergrund stehen. Die einfache Rechnung „Wenn ich kaufe, spare ich meine Miete“ funktioniert eben nicht immer so einfach. Siehe dazu auch das Video von Dirk Müller, der es gut auf den Punkt bringt.

    Der einzige Kontra-Punkt, der etwas mit „auf dem Land“ zu tun hat, ist aus meiner Sicht „Fahrtwege zur Arbeit“.

    Intention ist nicht, die Menschen vom Kauf eines Eigenheims abzuhalten, sondern dass sie differenzierter darüber nachdenken. Wenn Menschen in ihrem eigenen Haus leben möchten, ist dagegen absolut nichts einzuwenden. Diese Menschen nehmen aber vermutlich auch keine Investoren-Sicht ein, so dass für sie Rendite keinen Fokus hat.

    Wir sind uns vermutlich einig, dass Du Deine finanzielle Freiheit nicht dadurch erreichst, ein Eigenheim zu kaufen. Kaufst Du dagegen mehrere vermietete Immobilien, IST es möglich. Parallel kannst Du ja trotzdem in Deinem Eigentum wohnen. Vielleicht sogar finanziert aus laufenden Mieteinnahmen.

    Zu Deiner Situation mit zwei Wohnungen: natürlich kaufst Du dort die selbstbewohnte. Ähnliches habe ich im Kommentar an Capri thematisiert.

    Zu den Denkanregungen:

    – Mit Vermieter und Mietern rumschlagen: Genau. Wie auch im Artikel geschrieben.
    – Handwerker: Stimme Dir zu. Das Argument hast Du vermutlich woanders gesehen.
    – Weniger Risiken: Richtig, Deine aufgezählten Risiken hast Du als Eigenheimbesitzer nicht. Dafür hast Du aber andere Risiken, von denen im Artikel viele erwähnt sind. Deine genannten sind typische Risiken eines Vermieters. Diese muss man kennen, mit kalkulieren und entsprechend Puffer verfügbar haben. Je mehr Wohnungen, desto weniger fällt z.B. Leerstand ins Gewicht. Mietnomaden zu erwischen kann man recht gut beim Auswahlprozess vermeiden, dazu haben wir an anderer Stelle etwas geschrieben. Und klar muss natürlich auch sein: Ganz ohne Ecken und Kanten funktioniert Geld verdienen nie. Und je mehr Probleme wir lösen, desto mehr Geld verdienen wir.

    Bei uns geht es darum, finanzielle Freiheit mit Immobilien zu erreichen. Denkweise sollte also sein: mehrere Objekte zu vermieten und ein passives Einkommen aufzubauen. Weniger aber: ich kaufe eine einzige Wohnung zum Vermieten und wohne gegenüber zur Miete.

    Übrigens: Du findest zu diesem Thema nicht nur etwas auf „üblichen Finanzblogs“, sondern die bekannten Immobilien-Profis im deutschen Markt haben eine sehr deutliche sowie einheitliche Meinung dazu. Genannt seien hier als Beispiel Gerald Hörhan, Alex Fischer oder auch ein ganzes Buch „Kaufen oder mieten“ von Gerd Kommer. Ebenfalls gibt es hier noch ein zugegeben etwas reißerisches Video zum Thema: http://www.businessinsider.de/nur-idioten-kaufen-ein-haus-sagt-ein-experte-der-25-jahre-lang-in-immobilien-investiert-hat-2016-8

    Am Ende bleibt es eine Meinung, welche Eigenschaften jemand persönlich stärker gewichtet als andere. Flexibilität, Luxus oder Vermieterärger lassen sich also nicht einfach monetär bewerten und in eine Rechnung packen.

    Viele Grüße
    Julian

  7. Stefan (Immobilienanleger) sagt:

    Hallo Julian,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

    Was mich an deinem Artikel stört sind nicht die von dir aufgeführten Argumente, sondern der Kontext in dem du sie gestellt hast. Steht so ein Artikel auf einer Seite die sich der Aktienanlage verschrieben hat, sage ich mir: „OK, er will kein Kapital in einer Immobilie binden, welches seiner Meinung nach an der Börse mehr Rendite erwirtschaftet.“ Das ist vollkommen OK, dann sind auch inhaltliche Vereinfachungen nicht weiter tragisch, er möchte ja auch keine aktuellen oder zukünftigen Immobilienanleger erreichen. Dein Blog heißt aber „Vermiete dich Reich“, daher gehe ich davon aus, deine Zielgruppe sind Immobilienanleger. Deine Argumente richten sich jedoch an die Otto-Normalbürger, die darüber nachdenken sich ein Einfamilienhaus am Stadtrand zu bauen, in dem sie für den Rest ihres Lebens wohnen bleiben wollen. Für den klassischen Immobilienanleger (zukünftig oder aktuell), der eigentlich deine Zielgruppe ist, trifft jedoch keines deiner Gegenargumente zu.

    – Klumpenrisiko: Dies ist bei teilweisem Eigennutz sogar geringer, als bei reiner Vermietung da zumindest eine deiner Wohnungen von einem 100% verlässlichen „Mieter“ bewohnt wird, (dir). Dies ist also ein Argument pro und nicht contra Eigennutz.

    – Zu viel Platz: Wenn sich deine Lebenssituation ändert, wechsle deine Immobilie – Du bin schließlich Immobilienanleger.

    – Gewöhnung: Etwas merkwürdiges Argument, da du aber auf die finanzielle Belastung hinauswillst, diese ändert sich nicht, egal ob du in einer Wohnung selber wohnst oder diese vermietest. Der Kredit bleibt dir so oder so.

    – Fahrtwege zur Arbeit: Dieses Argument gibt es nicht. Jeder sollte selber wissen wo er wohnen will, außerdem sind nicht nur die Kaufpreise auf dem Land niedriger, sondern auch die Mieten. Wer etwas rechnen kann, kommt auch schnell auf den Trichter, dass das Wohnen im Vorort nur scheinbar günstiger ist, da die Opportunitätskosten (evtl. zweites Auto, weite Fahrtwege) dieses meistens wieder ausgleichen.

    -Scheidung: Trifft den Immobilienanleger immer voll, egal ob Eigennutzer oder Mieter

    -Sklave deiner Bank: siehe Scheidung

    – Kauf- und Nebenkosten: siehe Scheidung

    – Laufende Kosten: Du argumentierst hier mit der steuerlichen Absetzbarkeit. Ich möchte dir hier noch mal vorschlagen dies einmal genau durchzurechnen. Nimm dir eine deiner eigenen Wohnungen und rechne aus was du übrigbehieltest, wenn du selber dort wohnen würdest und keine Miete zahlen müsstest (unter der Voraussetzung du zahltest für deine aktuelle Wohnung die gleiche Warmmiete). Wenn du nicht feststellen solltest, dass du als Eigennutzer mehr Geld zur Verfügung hättest, solltest du dir Gedanken über dein Geschäftsmodel machen – da du offensichtlich Verlust mit deinen Immobilien machst. Auch frage ich mich, wie das gehen soll, dass Vermieter Gewinne machen, Mieter aber günstiger zur Miete wohnen als im Eigentum. Wer bezahlt denn dann die Gewinne der Vermieter? Sag jetzt bitte nicht die Mieter, denn die wohnen ja günstiger in deinem Eigentum, als wenn es ihres wäre.

    – Totes Kapital: Stimmt so nicht. Eigennutz ist leichter zu finanzieren als vergleichbare Renditeobjekte. Es ist also anzunehmen, dass hier bei gleichem Eigenkapitaleinsatz bessere Kreditkonditionen verhandelbar sind als für Renditeobjekte. Ebenso erwirtschaften sie eine bessere Rendite als vergleichbare Vermietungsobjekte, siehe oben.

    Du schreibst:
    „Bei uns geht es darum, finanzielle Freiheit mit Immobilien zu erreichen. Denkweise sollte also sein: mehrere Objekte zu vermieten und ein passives Einkommen aufzubauen.“
    Genau das ist der Grund, warum ich mich an den Argumenten in deinem Artikel so störe. Diese gelten gerade bei dem Ziel, dass du dir gesetzt hat nämlich nicht, sondern nur bei den in Immobilienanlagen unbedarften Einmalkäufern, welche oft dazu neigen, das falsche Objekt aus den falschen Gründen am falschen Ort zu kaufen.

    Dass mit der deutlichen und einheitlichen Meinung ist immer so eine Sache, die am lautesten vertretene Meinung ist noch lange nicht immer auch die Mehrheitsmeinung und selbst wenn, ist sie deshalb auch nicht zwingend richtig, Wirtschaft ist schließlich keine Demokratie.

    Mir ist neu, dass Alex Fischer irgendwo mal gesagt hat, dass mieten billiger wäre als kaufen. Die einzige Aussage zur eigengenutzten Immobilie, an die ich mich in diesem Zusammenhang erinnern kann ist, dass er seine eigene Wohnung (im übrigen Eigentum) nicht als Renditeobjekt, sondern als Luxus betrachtet. Dies macht auch durchaus Sinn, denn kein vernünftiger Anleger würde sich aus Renditegründen einen Fischteich ins Wohnzimmer bauen. Ich glaube kaum, dass er deswegen der zurzeit recht populären Mieten ist besser als Kaufen Bewegung zuzurechnen ist.

    Was Gerald Hörhan betrifft, bei ihm ist es wie bei allen anderen Populisten auch, auf die Feinheiten kommt es nicht so an, Hauptsache er kann seine Message möglichst laut und eingängig unter die Massen bringen. Ich glaube ihm hierbei sogar, dass er selber zur Miete wohnt, über das wieso kann ich nur spekulieren, könnte mir aber folgenden durchaus schlüssigen Grund vorstellen: Gerald Hörhan ist ein unerträglicher Angeber, als solcher wird er vermutlich in einem 200+ qm Penthaus in bester ?Frankfurter? Lage wohnen. Solche Objekte kosten ab 2.000.000€ aufwärts bei einer möglichen Mietrendite von 3%. Für das selbe Geld kann er in Hannover 30 Wohnungen mit einer Mietrendite von über 6% kaufen. In diesem Fall wäre es also durchaus sinnvoll, selber zur Miete zu wohnen und das gesparte Geld in Mietwohnungen anzulegen.

    Trifft dies auf dich und auf die Zielgruppe deines Blogs auch zu?

    • Julian Julian sagt:

      Hallo Stefan,

      ich versuche mal, auf alle Deine Punkte einzugehen. Vielleicht nähern wir uns ja inhaltlich an 😉

      – Klumpenrisiko
      S: Dies ist bei teilweisem Eigennutz sogar geringer, als bei reiner Vermietung da zumindest eine deiner Wohnungen von einem 100% verlässlichen „Mieter“ bewohnt wird, (dir). Dies ist also ein Argument pro und nicht contra Eigennutz.
      J: Das Klumpenrisiko trifft zu, wenn Du Dir für 300.000 € ein Haus zum Selberwohnen finanzierst, anstatt fünf vermietete Eigentumswohnungen für je 60.000 €. Und die dann nicht alle an einem Fleck, sondern zum Beispiel in verschiedenen Stadtteilen oder sogar Städten. So hast Du eben nicht Deine ganze Finanzierungskraft samt Eigenkapital in einem Objekt. Wenn Du natürlich von einem Mehrfamilienhaus statt der einzelnen Wohnungen ausgehst, hast Du wiederum das Klumpenrisiko. Allerdings mit dem Unterschied, dass Du mehrere Einheiten hast, die vermutlich niemals alle gleichzeitig leer stehen, einzeln verkauft werden könnten und die sich auch ohne Dein Zutun tragen (sollten).

      – Zu viel Platz:
      S: Wenn sich deine Lebenssituation ändert, wechsle deine Immobilie – Ich bin schließlich Immobilienanleger.
      J: Wenn man sich so einfach vom „Familienhaus“ trennen kann, geht das, genau. Oft hängen aber viele Emotionen daran, so dass man es gar nicht verkaufen möchte. Oder man weiß gar nicht, wie man so einen Verkauf anstellen sollte (ich denke da an meine Großeltern). Oder man möchte es den Kindern irgendwann hinterlassen – meist auch ein wesentlicher Grund für die Anschaffung (die möglicherweise gar nicht dort wohnen möchten oder ein Kind die anderen auszahlen müsste, es aber nicht kann). Ich glaube, dass das lieb gewonnene Eigenheim meistens nicht mal eben einfach so verkauft wird.

      – Gewöhnung:
      S: Etwas merkwürdiges Argument, da du aber auf die finanzielle Belastung hinauswillst, diese ändert sich nicht, egal ob du in einer Wohnung selber wohnst oder diese vermietest. Der Kredit bleibt dir so oder so.
      J: Ganz und gar nicht merkwürdig, sondern alltäglich: Hier geht es mir um den Effekt, den wir bei allem Materiellen haben: Du gewöhnst Dich schnell an Neues und es ist nichts Besonderes mehr. Das Geld ist trotzdem weg.

      – Fahrtwege zur Arbeit:
      S: Dieses Argument gibt es nicht. Jeder sollte selber wissen wo er wohnen will, außerdem sind nicht nur die Kaufpreise auf dem Land niedriger, sondern auch die Mieten. Wer etwas rechnen kann, kommt auch schnell auf den Trichter, dass das Wohnen im Vorort nur scheinbar günstiger ist, da die Opportunitätskosten (evtl. zweites Auto, weite Fahrtwege) dieses meistens wieder ausgleichen.
      J: Fakt ist: Immobilien in der Stadt sind deutlich teurer als im Speckgürtel. Bei Eigenheimen, die häufig „für immer“ gekauft werden, haben wir deutlich gehobene Ansprüche: 100m² mehr, Garten, 2. und 3. Bad. usw – bei einem Mietobjekt behaupte ich, dass dieser Effekt deutlich geringer ausfällt. Und um diese Ansprüche auch bezahlen zu können, weichst Du automatisch aus auf Bereiche außerhalb der Stadt. Und nimmst die längeren Fahrtwege zur Arbeit und zur Stadt in Kauf. Das sehe ich täglich in meinem Kollegen- und Bekanntenkreis.

      -Scheidung:
      S: Trifft den Immobilienanleger immer voll, egal ob Eigennutzer oder Mieter.
      J: Ein Eigenheim kaufst Du meistens gemeinsam jeweils zur Hälfte. Vermietete Objekte kannst Du einfach per Ehevertrag trennen.

      -Sklave deiner Bank:
      S: siehe Scheidung
      J: Klarer Unterschied aus meiner Sicht: Die vermietete Immobilie trägt sich selbst und wirft sogar noch Gewinn ab. Egal, ob Du einen Job hast oder Privatier bist. Das Eigenheim sollte wegen der Zinskosten schnellst möglich getilgt werden, so dass monatlich viel Cash rein fließt. Auch kosten die oben erwähnten gehobenen Ansprüche extra viel. Verlierst Du Deine Einkommensquelle, hast Du ein Problem mit der Bank und musst nach ihren Regeln spielen.

      – Kauf- und Nebenkosten:
      S: siehe Scheidung
      J: Mit dem Unterschied, dass Du diese steuerlich absetzen kannst.

      – Laufende Kosten:
      S: Du argumentierst hier mit der steuerlichen Absetzbarkeit. Ich möchte dir hier noch mal vorschlagen dies einmal genau durchzurechnen. Nimm dir eine deiner eigenen Wohnungen und rechne aus was du übrigbehieltest, wenn du selber dort wohnen würdest und keine Miete zahlen müsstest (unter der Voraussetzung du zahltest für deine aktuelle Wohnung die gleiche Warmmiete). Wenn du nicht feststellen solltest, dass du als Eigennutzer mehr Geld zur Verfügung hättest, solltest du dir Gedanken über dein Geschäftsmodell machen – da du offensichtlich Verlust mit deinen Immobilien machst. Auch frage ich mich, wie das gehen soll, dass Vermieter Gewinne machen, Mieter aber günstiger zur Miete wohnen als im Eigentum. Wer bezahlt denn dann die Gewinne der Vermieter? Sag jetzt bitte nicht die Mieter, denn die wohnen ja günstiger in deinem Eigentum, als wenn es ihres wäre.
      J: Grundlegend: Selbst bewohntes Eigentum rechnet sich gegenüber der Miete finanziell dann, wenn Deine bisherige Warmmiete gleich Zins, Tilgung plus ALLE Kosten als Eigentümer ist. Diese Kosten müssen auch die Rücklagen und laufenden Reparaturkosten enthalten. Wenn Du also eine Wohnung so finanzieren kannst, dann lohnt es sich mehr, diese zu kaufen statt zu mieten! Genau dieses Gespräch hatte ich übrigens mit Alex Fischer persönlich, der mir diese Aussage genauso bestätigt hat.
      Was ich bei den laufenden Kosten meine: Musst Du bei Deinem Eigenheim das Dach sanieren, zahlst Du es aus dem Netto. Wenn Du als Investor das Dach Deines vermieteten Hauses sanierst, bekommst Du im kommenden Jahr ein Drittel oder sogar eine knappe Hälfte von Deinen gezahlten Steuern zurück – natürlich je nach Steuersatz. Das macht also einen riesen Unterschied!
      Und: jede einzelne Immobilie muss natürlich Gewinn machen – sonst erreichst Du keine finanzielle Freiheit. Aus diesem Gewinn baust Du auch Deine Rücklagen auf, mit denen Du nötige Maßnahmen am Objekt tätigst, wenn sie fällig sind.

      – Totes Kapital:
      S: Stimmt so nicht. Eigennutz ist leichter zu finanzieren als vergleichbare Renditeobjekte. Es ist also anzunehmen, dass hier bei gleichem Eigenkapitaleinsatz bessere Kreditkonditionen verhandelbar sind als für Renditeobjekte. Ebenso erwirtschaften sie eine bessere Rendite als vergleichbare Vermietungsobjekte, siehe oben.
      J: Dass die Banken lieber Eigennutzer finanzieren, ist richtig. Das führt auch oft zu besseren Konditionen. Du kannst aber bei Eigennutz nicht von einer Rendite sprechen. Nur, weil Du Miete vermeidest, ist das keine Investition, auf die Du Gewinn erzielst. Insofern hast Du überhaupt erst eine Rendite, wenn Du eine Immobilie vermietest. Siehe hier auch Investition vs. Verbindlichkeiten von Rich Dad.

      Soweit erstmal…

      Gruß
      Julian

      PS: Ich lese die Bücher von Gerald Hörhan gerne, gerade weil er provokant ist und zum Nachdenken anregt 🙂

  8. Stefan (Immobilienanleger) sagt:

    Hallo Julian,
    ich glaube wir verstehen uns nicht, weil wir nicht von der gleichen Sache reden. Wenn du von Eigenheim sprichst, kommst du immer wieder auf das EFH im Vorort zurück, auch wenn du es nicht sagst, so beschreibst du es doch immer wieder sehr genau.
    Ich verstehe unter einem Eigenheim aber alles was einem gehört und man selber bewohnt. Dies kann das Einzimmerapartment in der Stadt, das Haus im Vorort oder die Burg auf einem Rheinhügel sein.
    Wenn ich vergleiche, dann immer konkrete und gleiche Objekte. Du scheinst deine Schlüsse stark von Erkenntnisse, die du bei z.B. bei Kommer gelesen hast herzuleiten. Diese sind jedoch aus Handlungsweisen der Masse der Immobilienbesitzer hergeleitet. Diese Masse handelt jedoch nicht Renditeorientiert.
    Ein Beispiel zur Rendite von eigengenutzten Immobilien (Die Zahlen sind wahllos):
    Annahmen:
    Einkommen: 4.000€, Steuersatz 50%
    Mieteinnahmen: 600€
    Zinsen: 300€
    Abschreibung: 100€
    Instandhaltung: 100€
    Eigene Miete: 600€
    Die Rechnung als Mieter-Vermieter: (4.000+600-300-100-100)*0,50-600+100=1.550€
    (Einkommen+Mieteinnahmen-Zinsen-Instandhaltung-Abschreibung)*Steuersatz-Miete+Abschreibung= Verfügbares Nettoeinkommen nach Miete
    Die Rechnung als Eigennutzer: 4.000*0,50-300-100=1.600€
    Einkommen*Steuersatz-Zinsen-Instandhaltung=Verfügbares Nettoeinkommen
    Tilgung und Nebenkosten habe ich nicht einbezogen, da sie beide gleich betreffen.
    Irgendeine Rendite muss die selbstgenutzte Immobilie wohl haben, sonst hätte ich ja am Ende des Monats nicht mehr Geld auf dem Konto, als wenn ich die selbe Wohnung vermiete und gleichzeitig zur Miete wohne.

    Zu Klumpenrisiko:
    Alle großen Immobiliengesellschaften arbeiten mehr oder weniger regional begrenzt, auch dein (unser) Vorbild Alex Fischer ist nur in Düsseldorf aktiv. Dies hat auch seinen Sinn. Du willst doch nicht als Kleinanleger in mehreren Städten für einzelne Wohnungen überall ein eigenständiges Netzwerk aufbauen und betreuen.
    Ich persönlich habe alle meine Immobilien in einer Stadt und kaufe auch nur ganze Häuser. Ich werde mich sicherlich nicht der Willkür von Eigentümerversammlungen unterwerfen.

  9. Björn sagt:

    Hallo Stefan, hallo Julian,

    ich habe eure Diskussion sehr gerne gelesen.

    Ich selbst habe erst letzte Woche eine Excel für mich erstellt, um drei Fälle zu vergleichen:
    1. Wohnung kaufen als Investment (Vollfinanzierung auf 16 Jahre, dafür mit monatlichen Eigenmitteln). Zusätzlich gleiche Wohnung mieten.
    2. Wohnung mieten. Zusätzlich den Überschuss (nicht genutztes Eigenkapital für Kaufpreis und was ich bei Miete spare) mit durchschnittlich 4% p.a. anlegen.
    3. Wohnung kaufen und selbst nutzen (keine Miete zahlen, keine Mieteinahnen).
    Die Rahmenbedingungen war, dass alle Wohnungen eine Kopie der selben sind (gleiche Miete, Kaufpreis, etc für Eigenheim/Vermietungsobjekt).

    Fall 1 und 3 sind in meinem Fall bezogen auf Gewinn identisch. Steuern habe ich soweit nicht beachtet. Für mich ist das Ergebnis der Rechnung: Würde ich eine Wohnung finden, die sich als Investment lohnt (und in die ich auch selbst einziehen möchte!), dann lohnt sich diese Immobilie auch zum Selbstbezug.

    Mein Problem ist aber wohl ähnlich dem von Gerald Hörhan: Ich habe an eine Investment-Wohnung andere Vorstellungen als bei meiner Eigene (Vermietung heißt bei mir Rendite wichtig; egal wiederum ist mir Schnitt, Größe, Lage, Altbau/Neubau usw; andere Punkte sind immer gleich: Risiken minimieren, Rücklagen). Eine Wohnung mit über 5% Mietrendite in die ich selbst ziehen möchte finde ich bisher noch nicht. Hier in Frankfurt a.M. sind die Kaufpreise einfach so hoch, dass ich sagen muss: „Die Mieten in Frankfurt sind verhältnismäßig günstig“.

    Steuern:
    Allgemein habe ich zu dem Thema Steuern auch einen Denkansatz. Habe ich eine Immobilie gefunden die mir gefällt als Eigenheim, dann wäre es m.M.n eine gute Idee diese von einem Vertrauten kaufen zu lassen und ihm die kompletten Kosten zu ersetzen. Denn der Vertraute spart Steuern, die er an mich weiter geben kann. Das ist so weit natürlich nur schwer vorstellbar und schwer umsetzbar (eine dynamische Miete, die sich an den tatsächlichen Kosten richtet, Streit zwischen dir und Vertrauten, etc), aber spinnt man die Idee weiter, dann wäre eine Überkreuz-Finanzierung der nächste Schritt: Ich kaufe die Immobilie für meinen Vertrauten und er für mich. Im Idealfall hat man das entsprechende Vertrauen (Geschwister, etc) und gleiche Ansprüche (Doppelhaushefte, 2 Wohnungen im selben Komplex).

    Grüße aus Frankfurt
    Björn

  10. Julian Julian sagt:

    Hallo Stefan und Björn,

    ich denke, das bringt es gut auf den Punkt.

    Alleine schon, wenn sich Menschen vor einem Kauf (ob Eigenheim oder Vermietung) so differenziert Gedanken machen wie wir, hilft das sehr, eine aufgeklärte Entscheidung zu treffen.

    Auch klar ist: selbst bewohnen macht man nur einmal (mal abgesehen von Ferienhäusern). Wenn die selbst bewohnte Immobilie weitere Investitionen nicht verhindert, kann sie einfach ein Baustein im Gesamtkonzept sein.

    Noch ein Wort zum Klumpenrisiko: ich halte es so, dass sich meine Immobilien im 30-45 Minuten Fahrzeit-Umkreis befinden. So kommen direkt mehrere Regionen in Frage, darunter Rheinland, Ruhrgebiet, Bergisches Land und Niederrhein. So kann ich locker ein Klumpenrisiko vermeiden.

    Viele Grüße
    Julian

  11. Stefan (Immobilienanleger) sagt:

    Ich denke, dass wir durch die Diskussion etwas tiefer in das Thema gedrungen sind und das für und wider recht gut von unseren unterschiedlichen Standpunkten aus beleuchtet haben.

    Zu Björn:

    Wenn ich es richtig verstanden habt, wollt ihr jeweils eine Haushälfte kaufen und euch diese gegenseitig vermieten. Das klingt nach einer interessanten Idee und macht rechnerisch Sinn, sobald ihr euch die Wohnungen gegenseitig mit möglichst hohem Verlust vermietet. Ich befürchte jedoch, dass ihr euch dann in eine rechtliche Grauzone begebt, welche das Finanzamt nicht so ohne weiteres akzeptieren wird und auf jeden Fall im Vorfeld mit einem Anwalt für Steuerrecht durchgesprochen werden sollte.

  12. Björn sagt:

    Hallo Steffen,

    du hast Recht mit dem Steuer-Thema. Ich hatte das nicht komplett durchdacht, dass man bei Gewinn ja Steuern zahlt. Also funktioniert mein Modell nur wenn die Vermieter (in dem Bspw ich und der Vertraute gegenseitig) kostenneutral vermieten oder mit Verlust vermieten.

    Das muss man mal durchrechnen, ob das wirklich legal möglich ist. Soweit ich weiß muss man mindestens ca. 66% der ortsüblichen Vergleichsmiete an Miete verlangen. Ich glaube grob überschlagen ist es schwer bei einer guten Immobilie (hohe mögliche Rendite bei Vermietung) noch Verlust zu machen :).

    Grüße
    Björn

  13. Lutz sagt:

    Zur Altersvorsorge und Eigenheim: Ich säße dann mit meiner Frau in einer bezahlten, aber mit Sicherheit zu modernisierenden Hütte mit +120 qm, die beheizt und geputzt werden muss, in einer Nachbarschaft, die wir nicht beeinflussen können. Wir haben uns anders entschieden und unsere gut verzinsten Lebensversicherungen aus den 90ern werden um unser 60. Lebensjahr herum ausgeschüttet. Dann schauen wir mal, was wir mit dem Geld machen. Gut vorstellbar, dass wir uns irgendwo in den eher milden und ländlichen Randregionen Europas eine kleine 3-Zimmer-Wohnung kaufen und den Rest unserer Kohle verjubeln, da die bis dahin fällige Rentenzahlungen an uns beide dort auch noch eine andere Kaufkraft haben, als wir. Viel Spaß all jenen, die ihre Rente dann in die Renovierung ihrer 30 Jahre alten Hütten stecken für Kinder, die längst woanders auf dieser Welt ihre neue Heimat gefunden haben…

  14. Björn sagt:

    Hallo Lutz,

    ich folge deiner Argumentation. Grundsätzlich aber finde ich, dass man das Thema Eigenheim in zwei Faktoren unterscheiden muss: Persönlich/Emotional und Finanziell/Wirtschaftlich.

    Deine Argumentation gehört zur emotionalen Seite. Dieser folgen meine Frau und ich.

    Klar kann man nicht immer wirtschaftliche und emotionale Argumente unabhängig betrachten. z.B. Wenn ich eine top Wohnung weit unter Marktwert für einen symbolischen Euro erhalte lohnt sich der Kauf sicherlich immer, selbst wenn man es x Jahre später wieder verkauft. Egal ob als Investment oder Eigenheim.

    Auf der anderen Seite wäre das Extrem, wenn ich weit unter Marktwert miete, dann lohnt es sich da wohnen zu bleiben!

    Zwischen den Extremwerten muss man schauen, das ist die reale Welt! Ich für mich bin zu dem Ergebnis gekommen: Würde ich eine Wohnung als Investment so oder so kaufen wollen und es ergibt sich, dass ich in dieser gerne (vorübergehend) wohnen möchte, dann sehe ich aktuell kein Grund dies zu machen. Übersehe ich da etwas?

    Zum Thema Rentenversicherung: Meiner Meinung nach sind Versicherungen als Kapitalanlage eher ungeeignet. Klar, früher wurden diese steuerlich begünstigt, aber das ist seit 2004 auch nicht mehr der Fall. Der wichtigste Punkt der mich stört: die Kosten. Die Garantiezinsen die du angibst, gibt es nur auf den Sparanteil und nicht auf deine komplette Einzahlung. Hast du mal eine Vollkostenrechnung gemacht? Alle Einzahlungen und die Auszahlung vergleichen? Wenn du es in Excel (mit Datum) machst, kannst du den Internen Zinsfuß drüber rechnen lassen. Dann siehst du die tatsächliche Rendite ist dann besser vergleichbar mit anderen Investment-Strategien.

    Meine Frau hatte so eine Altlast-Vertrag von früher (von 2004). Auf Nachfrage bei der Versicherungsgesellschaft wurde mir nach hin und her folgendes offenbart:
    Sparbeitrag 83,63%
    Risikoanteil 0,89%
    Kostenanteil 14,21%
    BU-Zusatzversicherung 1,27%

    Was bringt mir ein Garantiezins und Steuerfreiheit auf 83,6%? Vermutlich waren die Bedingungen von 2004 besonders schlecht, dass es kurz vor dem Wegfall der Steuersubventionen war, dennoch bin ich der Meinung. Geld will ich direkt in den Kapitalmarkt (oder direkt in alternative Investment stecken) und nicht über den Umweg einer Versicherung. Das kostet mich Zeit, ich denke aber unterm Strich lohnt es sich.

    Grüße
    Björn

  15. Björn sagt:

    Kurze Ergänzung warum ich schrieb „meine Frau hatte“:
    Die Rentenversicherung von meiner Frau haben wir zum Glück widerrufen können, da die Widerrufsbelehrung nicht korrekt war. Dann muss man zwar die Steuervorteile zurückzahlen (Vertrag lief ja keine 12 Jahre, sondern nur 11), aber da meine Frau in der Zeit keine Steuern zahlte als Schülerin/Studentin/Praktikantin ist das in unserem Fall kein Problem.

    Aber ein wichtiger Punkt (wenn man keine Fond gebundene Versicherung hat): Der Sparanteil, Risikoanteil und Kostenanteil werden bei Widerruf verzinst zurückgezahlt. Nur die Versicherungsleistung ist (berechtigter weise) weg.

    Hierzu findet man im Netz eingiges (z.B. finanztip.de)

  16. Thomas sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel mit einer guten Übersicht der Vor- und Nachteile. Das regt sicherlich einige Menschen zum Nachdenken an.

  17. […] Auf dem Link oben kannst Du noch mehr zum Thema lesen – der vermietedichreich Gastartikel bei Freaky Finance! […]

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